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November 2003

























Die Allianz zur Erforschung menschlichen Glücks präsentiert:
Die 7 Wunder von Berlin
Idee/Konzept/Regie: Cora Frost


Prolog: Ist die Welt verloren?

„Das die Welt zu ihrem Verlust führe,
das sei die einzige Politik...“
(Marguerite Duras)

„Kein Zweifel, der Geist kann das Universum verändern. Der Geist ist eine ebenso starke evolutionäre Kraft wie Zähne, Klauen oder Gletscher, ebenso einflussreich wie die Sprache. Der Geist einer Amsel erkennt die ideale Amsel, erwählt sie sich zum Gefährten und beeinflusst auf diese Weise die Zukunft aller Amseln. Der menschliche Geist hat die Natur des Erdbodens, die chemische Zusammensetzung der Luft und des menschlichen Gewebes verändert. Die Vorstellungskraft unseres Geistes im Verein mit der Fähigkeit unserer Hände, unsere Vorstellungen in die Tat umzusetzen, hat uns eine Macht verliehen, die wir kaum noch zu beherrschen vermögen. Wir wissen nicht mehr, was wir mit ihr anfangen sollen, außer sie immer weiter zu betätigen.“ (John McIntyre: Der Geist aus den Wassern)
Die Vorherrschaft der Macht läuft irgendwann ins Leere, reproduziert nur Kopien von Kopien von Kopien von Kopien. Alles wird zu einem Abbild von einem Abbild, immer mehr verdünnt, zerstört. Bis die Macht sich selbst auslöscht.
Es gibt keine Anzeichen, dass wir als Spezies in absehbarer Zukunft eine höhere moralische Stufe erreichen; das würde bedeuten, dass es hinter unserem Dasein keinen Masterplan gibt, kein Ziel der Evolution, keinen Sinn für unser Leben.
Hier beginnt die Suche nach dem „Unsichtbaren“, nach einer Wiederherstellung aller Dinge, wie immer sie aussehen mag.
Hier beginnen „die Wunder“.
Das Wunder hat den Sinn, darauf hinzuweisen, dass es eine Wiederherstellung aller Dinge gibt, eine Heilung, eine Wiedereinsetzung in den paradiesischen Urzustand.
Die Unheilsgeschichte läuft parallel zur Heilsgeschichte. Schuld ist gleichzeitig Ursache für Heilung. Indem man nach einer Lösung sucht, die man in sich selbst nicht zu finden imstande ist, sucht man nach Kräften, die außerhalb der eigenen Verantwortung liegen.

Das ist die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Metaphysischem, Göttlichen, nach einer Befreiung von sich selbst, aus dem Gefängnis der Einsamkeit. ? = 1) onanieren, 2) telefonieren, 3) beten?.
Und ein Wunder kann ein Hinweis sein, ein Anstoß, ein Zeichen, durch das Zeichen selbst wieder hindurch zu sehen. Durch alle Abbilder, Kopien von Kopien von Kopien wieder zu sich selber, zum Leben zu sehen.
Zwar zu erfahren, dass es einen vorgezeichneten Weg gibt, aber dass es innerhalb dieser Grenzen möglich ist, einen eigenen Willen zu entfalten. Der Anstoß eines Wunders kann sein, seine Freiheit und Verantwortung zu erkennen, sein Leben zu leben, aber das Wunder kann nie Schicksal selber sein.
Unglücklich wird, wer seinen Träumen hinterher rennt, oder aber einer selbst auferlegten Pflichterfüllung, die letztendlich zur Verzweiflung führen muss.
Wem oder was will man wann, wo gerecht werden? Irgendwann fängt man an zu verlieren, jeden Tag mehr, alles wird immer weniger.
Aber nichts ist verloren, alles ist jeden Tag da, zu jeder Zeit; alles in allem, im Kleinen das Große. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

„Sehen, Hören, Fühlen sind Wunder, und jeder Fetzen von mir ist ein Wunder!“
(Walt Whitman)

I close my eyes and count till ten...


Die 7 Wunder (von Berlin)

Die 7 Wunder von Berlin sind ein Versuch, eigene schon erlebte Wunder, also persönliche Wunder, sichtbar zu machen; in der erbarmungslosen Strenge des Berliner Novembers, der besten Zeit für Wunder.
Ein Mädchen, Bernadette von Berlin, erhält eine Prophezeiung von Maria von Berlin über sieben stattfindende Wunder:
„Ich habe ein Geräusch gehört, wie einen Windstoß, aber die Gardinen bewegten sich nicht; ich habe den Kopf gehoben und zum Fenster gesehen; da habe ich eine Dame gesehen, die ganz in weißes Licht gehüllt war und eine Hirtentasche um die Schulter trug. Wir haben uns unterhalten, sie war sehr freundlich, wollte aber nicht sagen wer sie ist. Sie hat mir erzählt von dem ersten Wunder, der Liebe, mir ist erst sehr kalt geworden, dann sehr heiß und dann fühlte ich mich sehr wohl und gut und danach habe ich einen wahnsinnigen Hunger gehabt!“

WIRD ES MENSCHEN GEBEN, DIE BERNADETTE ZU IHREM WUNDER FOLGEN WERDEN?
WERDEN EINIGE AUCH ZEICHEN SEHEN UND SIE FÜR SICH ERKENNEN UND DURCH SIE HINDURCH SEHEN KÖNNEN?
ODER WERDEN SIE NICHT SEHEN?
WERDEN SIE SELBER BOTSCHAFTEN EMPFANGEN?
WER IST BERNADETTE?
WARUM IST SIE ERWÄHLT, DIE PROPHEZEIUNG VON MARIA ZU ERHALTEN?

„Sie ist nicht das Hinterfragen, sondern das Direkte, Einfache, Klare. Sie kann sich nicht wehren. Sie ist unschuldig.
In einer Gesellschaft, in der Lügen Tatort aller Machenschaften sind, ist sie so schön wie ein Bild, ein Duft, wie eine Natur.“
(Werner Schroeter)


„Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
Sie wissen alles, was wird und war,
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar,
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.
(Rainer Maria Rilke)



Wer ist Bernadette von Berlin?

Bernadette lebt in Berlin, die Familie in der Almstadtstrasse in einer kleinen Wohnung im 3. Stock mit ihren Eltern, ihrem Bruder und einem Hund. Sie ist 17 und geht in die Realschule, ihr Bruder hat Schildermaler gelernt und ist arbeitslos. Sie weiß noch nicht, was für einen Beruf sie lernen möchte, vielleicht Feinmechaniker oder Gärtner. Sie würde gerne einmal nach Island reisen, so gerne; in ihrem Zimmer hängen Poster und Fotos von Björk, von Pflanzen und von Landschaften und Tieren aus dem nördlichen Polarkreis. Sie hatte noch nie einen Freund. Ihre Familie findet sie seltsam, aber betrachtet sie liebevoll; wurde sie seltsamerweise doch schon mit dem Aussehen einer Japanerin geboren und sprach von klein auf eine fremdartige Sprache, die die Eltern später als japanisch identifizierten. Niemand fand eine Erklärung dafür, wie in der Mitte, aus dem Schoß dieser Berliner Familie dieses japanisch anmutende Mädchen entsprungen sein könnte. Sie war auch immer etwas kränklich und hatte eine seltene Darmkrankheit. Aber sie nahmen einfach alles so hin, wie es denn war. So war Bernadettes Geburt und ihre Sprache eigentlich das 1. Wunder oder Fingerzeig auf ihre zukünftige Bestimmung, wenn man es so sehen mag. Sie war ein stilles Kind, bastelte die schönsten Dinge aus Papier und sah manchmal voraus, welche Schulzeugnisnoten der Bruder mit nach Hause bringen würde. Sie gingen zum Wannsee und in den Zoo, um Nilpferde zu betrachten, Eisbären und Pinguine. Und sonntags gab es Schmorkohl und Grünkohl und Schmorgurken, die Mutter ging manchmal putzen, bei „reichen Leuten“, und der Vater arbeitete in Marzahn in der Verwaltung, ging gerne in seine Stammkneipe und gerne in die Volksbühne, was aber alle anderen in der Familie als Schrulle abtaten. So lebten sie in der Almstadtstraße und eines Tages ging Bernadette mit ihren drei Freundinnen von der Schule nach Hause.

Die 1. Erscheinung

Bernadette erzählt: Ich bummelte mit meinen Freundinnen auf dem Heimweg durch den Bahnhof Friedrichstraße und meine Freundinnen wollten noch in den Bodyshop, an Cremes riechen, sich besprühen mit Parfum und so was. Aber ich ging schon vor zur U-Bahn, weil meine Mutter Blutwurst mit Äpfeln und Zwiebeln machte und das esse ich doch so gerne. Ich wollte rechtzeitig zu Hause sein. Ich ging also schon vor, hinunter zur U-Bahn, da hörte ich ein großes Rauschen aus dem U-Bahn-Tunnel und ich schaute dorthin und sah etwas weißes, einem Mädchen ähnlich, von Licht umgeben, eine kleine Dame, in seltsamer Kleidung, um sie herum erklang eine Melodie und sie hatte einen Hautausschlag, ein bisschen sah sie vielleicht aus wie Björk, Björk mit Hautausschlag, aber aus ihr strömte ein Strahlen und eine Wärme, dass sie mir schöner erschien als alles, was ich vorher je gesehen oder gefühlt hatte. Sie trug eine kleine Hirtentasche um die Schulter und lächelte mir zu und ich sank in die Knie und mein Körper wurde reglos und schwer und ich konnte mich nicht mehr bewegen. Sie war sehr freundlich und zeigte mir einen winzig kleinen Pinguin, den sie in ihrer linken Hand hielt; und sie kam näher zu mir und um sie herum wirbelte es wie silberner, funkelnder Schnee. Mir wurde heiß und kalt und ich fragte sie, wer sie sei, aber sie wollte es mir nicht sagen. Sie sagte mir einige Dinge, die mich betreffen, dass ich nicht lange leben würde und sie sagte einige Dinge über meine Familie und die Welt und Berlin, die ich aber nicht sagen darf. Sie lächelte mir zu und verschwand und ich konnte mich immer noch nicht bewegen. Während dessen waren meine Freundinnen vom Bodyshop zurück gekommen und fragten mich, was denn wäre mit mir, ob es mir gut geht und was denn passiert sei. Ich sagte, och, nichts Wichtiges. Und zu Hause erzählte ich es meinem Bruder und aß 4 Teller Blutwurst mit Apfel und Zwiebeln und einen halben Topf Kartoffeln. Meine Mutter fragte, was denn los sei, warum ich so viel fresse, und da konnte mein Bruder nicht dicht halten, weil er ist nett, aber er redet so viel und erzählte alles. Dann erzählte ich es auch. Meine Mutter erzählte es meinem Vater. Und sie fragten mich, ob ich nicht alles erfunden hätte und warum ich so was täte, lügen und so. Sie hätten mich doch lieb. Oder ob ich was mit Jungen hätte. Oder ob es in meinem Kopf brummt und wir mal zum Arzt gehen sollten. Und ich war ganz ruhig und sagte, so war es und sagte dann, was die Dame mir über die Familie gesagt hat, nicht alles, das durfte ich ja nicht. Aber etwas, was ich nicht wissen hätte können. Da weinte meine Mutter und mein Vater war ganz still. Und sie sagten, ich soll nicht mehr alleine gehen und immer um 9 zu Hause sein. So war das und das schwöre ich, echt, das es so war.

Die 2. Erscheinung:

Die Dame ist mir insgesamt 3 Mal erschienen. Das 2. Mal war ich zu Hause in meinem Zimmer. Und ich habe ein Geräusch gehört, wie einen Windstoß, aber die Gardinen bewegten sich nicht, ich habe hochgeschaut und zum Fenster gesehen. Da war die Dame, in weißes Licht gehüllt mit einer Hirtentasche um die Schulter. Wir haben uns unterhalten und sie war wieder sehr freundlich. Sie wollte nur immer noch nicht sagen, wer sie ist und lächelte und verschwand. Danach aß ich alles auf, was ich in der Küche im Kühlschrank finden konnte und meine Mutter weinte wieder, weil sie wusste, was passiert war.

Die 3. Erscheinung:

Danach ist sie noch einmal auf dem Pausenhof erschienen. Und sie lächelte und leuchtete und sie sagte: Ich bin Maria von Berlin und es ist mein Wunsch, dass du am 15. November um 15.00 Uhr zum Bahnhof Friedrichstraße zurückkehrst. Ich werde dir dort das 1. Wunder offenbaren, ich werde dir danach noch weitere 6 Wunder offenbaren und es ist mein Wunsch, dass du und deine Freundinnen den Menschen die Botschaft der Wunder verkünden. Und ich lag auf den Knien im Pausenhof und alle standen um mich herum und redeten auf mich ein und ich erzählte, was Maria von Berlin zu mir gesagt hatte. Und viele glaubten mir und meine Freundinnen sagten, cool, sie kommen mit Verkünden im Bahnhof. Und ich ging schnell und kaufte mir im Kiosk 10 Wurstsemmeln und musste ein paar Autogramme geben.

Die heilige Bernadette
(Bernadette Soubirous/Marie Bernard)

Seherin, Nonne
* 17. Februar 1844 in Lourdes
+ 16. April 1879 in Nevers-sur-Loire

Kurz vor ihrem 14. Geburtstag hatte Bernadette zum erstenmal die Vision, die sich im folgenden halben Jahr noch 17 Mal wiederholen sollte: Ihr erschien in der Grotte Massabielle eine weibliche Gestalt von großer Schönheit in einer goldschimmernden Wolke. Die "Dame", wie Bernadette sie bewundernd- ehrfurchtsvoll nannte, die sich später als die Jungfrau Maria zu erkennen gab, forderte Bernadette zum Bau einer Kirche an der Grotte und zur Abhaltung von Prozessionen zu diesem Ort auf. In einer zweiten Erscheinung forderte die "Dame" Bernadette zum Trinken aus der Grotte auf. Es war aber kein Wasser zu sehen; Bernadette kratzte etwas Erde weg, plötzlich entsprang der Stelle klares Wasser. Maria offenbarte ihr die Heilkraft der Quelle. Am 16. Juli 1858 erlebte Bernadette die letzte Erscheinung, im selben Jahr gab es das erste von bislang 66 von der katholischen Kirche anerkannten Heilungswundern. Schon 1862 bestätigte die katholische Kirche die Echtheit der Visionen, Lourdes entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte. Bernadette hatte Misstrauen, Unverständnis und Anfeindungen zu ertragen. Die Presse nannte sie eine hysterische Person, zweifelte an ihrer Glaubwürdigkeit, selbst der berühmte Schriftsteller Emile Zola bekundete sein Mißtrauen. Lourdes wurde zum berühmtesten Marien-Wallfahrtsort der Welt, Hunderttausende suchen hier Heilung. Dokumentiert sind bislang über 6.000 medizinisch auffällige Heilungen, 2.000 davon von Ärzten als unerklärlich eingestuft, 66 hat die katholische Kirche nach eingehender Prüfung als Wunderheilungen anerkannt. Andachtsbilder von Bernadette waren die ersten, die fotografisch erstellt wurden.

 

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